IMPLICON 03 2019: Der dynamische Evidenzpreis – Das Erstattungsmodell der Techniker Krankenkasse für ATMPs

Textauszug:

Neuartige Therapien (advanced therapy medicinal products, ATMP) wie lang­wirk­same, Heilung versprechende Gentherapien sowie beschleunigte europä­i­sche Zulas­sungs­ver­fah­ren wie die bedingte Zulassung, die Zulassung unter besonderen Um­stän­den, die beschleunigte Zulassung und neuerdings auch Adaptive Pathways nach dem PRIME-Verfahren für prioritäre Arzneimittel führen zu der Frage, ob die Preis­findung nach dem AMNOG-Prozess für innovative Arzneimittel einer neuen Gene­ration unter medizinischen und ökonomischen Aspekten noch hinlänglich ist. Charak­teris­tisch für diese neuen Arzneimittel ist die zum Zeitpunkt der Zulassung noch unzu­rei­chende Evidenz hinsichtlich einer tatsächlich anhaltenden Heilung, insbe­sondere aber der (langfristigen) Nebenwirkungen. Das ökonomische Problem sind die hohen Einmalkosten, die inzwischen kurz vor der Millionen-Euro-Grenze stehen. Noch handelt es sich um Einzelfälle mit absolutem Aus­nahme­charakter – aber die Forschungstrends sind eindeutig, Gen- und Zelltherapien werden künftig ein relevanter Faktor in der Versorgung bislang unheilbarer schwerer Krankheiten sein. Es ist Konsens in der deutschen und europäischen Gesundheitspolitik, solche Therapien Patienten frühestmöglich zugänglich zu machen – und aus diesem Grund hat die Techniker Krankenkasse das Modell des dynamischen Evidenzpreises als Ergänzung zum Erstattungspreis nach dem AMNOG-Prozess in die Diskussion gebracht. Eine Blaupause für den Gesetzgeber?