IMPLICON 12 2019: 52,9 Milliarden Euro Mehrausgaben für neue Arzneimittel? – Reale Bedrohung oder Fehlalarm im AVR 2019 – von Dieter Cassel und Volker Ulrich

Textauszug:

In einem bleibt sich der seit 1985 alljährlich erscheinende Arzneiverordnungsreport (AVR) des Wissenschaftlichen Instituts des AOK-Bundesverbandes (WIdO) treu: nämlich in der vehementen Kritik an seiner Meinung nach zu hohen und zu stark steigenden GKV-Arzneimittelausgaben bzw. -kosten, verbunden mit der Forderung nach immer neuen Maßnahmen zur „Kostendämpfung“. Schreckte er Medien und Politik bisher mit Berechnungen von horrend erscheinenden „Einsparpotenzialen“ in der GKV-Arzneimittelversorgung auf, schürt er dieses Mal die Angst vor einer „tickenden Zeitbombe“: Diese bestehe in der ausgabentreibenden Hochpreispolitik der pharmazeutischen Industrie für patentgeschützte Arzneimittel, die schnell beitragssatzrelevant werden könne. Dazu baut der AVR 2019 eine „Drohkulisse“ von rechnerisch zusätzlichen 52,9 Mrd. Euro auf, mit denen die GKV künftig pro Jahr allein durch die 2018 neu eingeführten Arzneimitteltherapien belastet sein könnte – und das bei tatsächlichen Kosten im Jahr 2018 von 40,1 Mrd. Euro für die GKV-Arzneimittelversorgung insgesamt. Was ist davon zu halten?