IMPLICONplus 02 2020: Elektronische Patientenakte mit Mut zur Lücke? – von Manfred Albring

Textauszug:

Die elektronische Gesundheitsakte sollte in der Notfallmedizin Leben retten, seltene uner­wünschte Arzneimittelnebenwirkungen erfassen, mit Zustimmung des Patienten mög­lichst vielen Leistungserbringern zugänglich sein und Milliarden Euro im deutschen Gesund­heits­wesen einsparen. Sie soll ferner Routinedaten aus der Versorgung als Erkennt­nis­material für die Forschung generieren und diese beflügeln, damit Deutschland den Anschluss an die internationale Spitzenmedizin halten kann. Aber nach mehr als 13 Jahren däm­mert es den Beteiligten und der Bevölkerung, dass die elektronische Gesund­heits­karte nur eine schlechte Versicherungskarte ohne Notfalldatensatz, ohne Medika­tions­plan ist, ohne auch nur eine der ursprünglich versprochenen Funktionen zu erfüllen. Dafür hat das Projekt bisher nahezu eine Milliarde Euro verschlungen. Ärzte­ver­bände und Kran­ken­kassen stellen heute fest, dass das Konzept der elektronischen Gesund­heits­karte kra­chend gescheitert ist. Inzwischen muss auch Gesundheitsminister Jens Spahn erkennen, dass es auch beim Projekt der jetzt priorisierten elektronischen Patien­tenakte gehörig knirscht. Unzu­rei­chende Interoperabilität, eine unübersichtliche Speicher­struk­tur der Akte sowie lang­wierige und umständliche Zulassungsverfahren sowie eine feh­lende Nutzer­orien­tie­rung gefährden das Projekt der elektronischen Patientenakte zum Start Anfang des nächs­ten Jahres. Im laufenden Jahr sollen aber mit Macht die Voraus­set­zun­gen für das elektro­ni­sche Rezept, das Video-Konsil und die Telemedizin geschaffen werden. Hierdurch sollen der Mehrwert und Zusatznutzen für Patienten und Ärzte erkenn­bar werden. Grund­lage dafür war eine gründliche Restrukturierung der gematik.