IMPLICONplus 10 2019: Zukunftsfähige Krankenhausversorgung – Eine kritische Kommentierung der Bertelsmann Studie – von Günter Neubauer

Textauszug:

Die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung haben ein weitreichendes Echo ausgelöst. Insbesondere die Feststellung, dass eine bessere Versorgung nur mit halb so vielen Kran­ken­häu­sern möglich ist, stieß bei den Krankenhäusern auf heftige Kritik, während die Kran­ken­kassen eher zustimmend reagierten. Kritisch aus Sicht des Autors ist, dass die Verfas­ser mit abstrakten, aus anderen Ländern abgeleiteten statistischen Größen gerech­net haben aber nicht Wege zur Realisierung aufzeigen. Um die Ziele der Studie, sofern man diese inhaltlich akzeptieren will, bis zum Jahr 2030 umzusetzen bedürfte es in Deutsch­land einer Einparteienregierung mit autokratischen Zügen. Wer dies nicht will, aber auch die Aussichten sind sehr gering, muss einen längeren Reformprozess der Kran­ken­haus­versorgung in Deutschland akzeptieren. Auch sind einige Thesen von der geäu­ßerten Art: „Große Krankenhäuser: gute Krankenhäuser – kleine Krankenhäuser: schlechte Kran­ken­häuser“ zu apodiktisch ausgefallen. Nicht die Größe des Krankenhauses sondern die Zahl der behandelten Patienten ist entscheidend für die Ergebnisqualität. Als viel­ver­spre­chende Ansätze für eine Reform der Krankenhäuser schlagen wir vor, inte­grierte Versor­gungs­zentren zu fördern, tagesklinische Fallpauschalen zu entwickeln und die Patien­ten auch über eine Kostenbeteiligung stärker an der Wirtschaftlichkeit der Kran­ken­haus­ver­sor­gung zu interessieren. Letztlich halten wir eine wettbewerbliche Preissteuerung einer plan­wirt­schaft­lichen Mengensteuerung für überlegen.