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IMPLICONplus 03 2016:
Preisexplosion bei innovativen Arzneimitteln – Herausforderung für GKV, Ärzte und Politik – von Dr. Jürgen Bausch

Textauszug:

Die vorliegende Ausarbeitung versucht, gute und schlechte Nachrichten aus dem aktuellen Arzneimittelmarktgeschehen nebeneinander darzustellen und zu kommentieren. Denn ohne Zweifel haben sich in den zurückliegenden Jahren therapeutische Fortschritte eingestellt, deren patientenrelevanter Nutzen gar nicht so selten mit „beträchtlich“ vom G-BA bewertet wurde. An einigen typischen und aktuellen Beispielen (Hepatitis C, Onkologie, Rheuma, Mul­tiple Sklerose) wird gezeigt, dass es zum Teil bemerkenswerte Fortschritte zu melden gibt. Allerdings verbinden sich diese erfreulichen Tatsachen mit der Berichterstattung über eine bisher unbekannte Hochpreisentwicklung. Jahres­the­ra­pie­kosten von 100.000,- Euro pro Patient sind keine Ausreißer aus dem Segment der „Orphan drugs“, sondern beitragssatzrelevant.

Angesichts der Ausschöpfung von Sparmöglichkeiten im Festbetrags- und Ra­batt­markt und der nahezu 90 prozentigen Therapieumstellung von Origi­na­len auf preiswertere generische Alternativen sind die extrem teuren Neu-Ent­wick­lungen der letzten 3 Jahre nur durch Beitragssatzerhöhungen zu finanzieren. Es sei denn, die Politik gibt den Kassen weitere Instrumente in die Hand, den Grundsatz der Beitragssatzstabilität einhalten zu können. Dass auch die Ver­ord­ner der nutzbringenden Erfindungen aus den Forschungsabteilungen der Indus­trie einer Informationsverbesserung bedürfen, wird durch den wissen­schaft­li­chen Gehalt der Nutzenbewertungsergebnisse des Gemeinsamen Bun­des­aus­schusses zwar erleichtert, aber es enthebt die Ärzte nicht von der Pflicht, sich kundig zu machen.



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