Nutzenbewertungen für Antibiotika analog zur Orphan Drugs

Um die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika gegen resistente Bakterien zu stärken, prüft das Bundesgesundheitsministerium gegenwärtig Optionen für eine Korrektur des Nutzenbewertungsverfahrens. Die Herausforderung sei, ein neues Geschäftsmodell für Antibiotika-Innovationen zu finden, sagte der Leiter der Abteilung Arzneimittel im BMG, Thomas Müller, bei einem Symposion des Bun­des­ver­ban­des der Arzneimittelhersteller in Berlin. Es gebe einen ministeriellen Prüf­auf­trag, die nächsten Nutzenbewertungsverfahren für neue Antibiotika zu analy­sie­ren, so Müller. Aus der Industrie kommt der Vorschlag, neuen Antibiotika analog zu Orphan Drugs einen Sonderstatus zu geben, mit dem der Zusatznutzen durch die arz­nei­mittelrechtliche Zulassung als gegeben angenommen wird. Dies hat zur Folge, dass die Bedeutung generischer Standardtherapien als Preisanker rela­tiviert wird. Ungelöst bleibt aber das Problem, das Antibiotika-Innovationen durch­weg Reservearzneimittel mit einem sehr niedrigen Absatzpotenzial sein werden, wodurch die Refinanzierung aufwendiger Forschung eingeschränkt ist. Als Preis­modelle werden vereinbarte Garantiezahlungen oder Prämienzahlungen disku­tiert, die auf der Tatsache erfolgen, dass eine Therapie verfügbar ist, ohne dass diese in Anspruch genommen wird.